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Schattenbanken regulieren

 In Arbeit SPD Wahlprogramm Koalitionsvertrag

"Schattenbanken müssen so reguliert werden, dass für sie bei gleichem Geschäft und gleichem Risiko für die Stabilität des Finanzsystems die gleiche Regulierung gilt wie im klassischen Bankensektor. [...] Alle Geschäftsbeziehungen zwischen Banken und Schattenbanken müssen transparent gemacht und Ansteckungsrisiken begrenzt werden."

Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD S. 62


Wenig Fortschritte

Die großen Banken sind inzwischen reguliert, die Schattenbanken immer noch nicht

Schattenbanken haben nach Schätzung des Finanzstabilitätsrates (FSB) inzwischen ein Volumen von 75 Billionen Dollar. Das bedeutet unter anderem, dass bei der Kreditvergabe in den USA jeder zweite Dollar nicht von klassischen, regulierten Banken vergeben wird, in Europa ist es jeder vierte Euro.

Da das Eigenkapital dieser Kreditgeber meist sehr niedrig ist, stellen sie im Krisenfall eine Gefahr für das weltweite Finanzsystem dar. "So wies der LTCM-Hedgefonds vor seinem das ganze Finanzsystem bedrohenden Kollaps 1998 bei einer Bilanzsumme von 125 Mrd. US-Dollar ein Eigenkapital von nur 4,8 Mrd. US-Dollar auf" , nennen die "Blätter für deutsche und internationale Politik" ein Beispiel. Schattenbanken nutzen häufig das Instrument der Hebelung, mit dem sie die Eigenkapitalrendite einer Investition durch den Einsatz von günstigem Fremdkapital um ein Vielfaches steigern.

Roadmap zur Regulierung

Die führenden 20 Industrienationen (G20) hatten deshalb bei ihrem Treffen in St. Peterburg im Jahr 2013 eine Roadmap verabschiedet, die den Weg zu einer angemessenen Regulierung des Schattenbankensystems aufzeigen soll.

Bis Ende 2015 geht es zunächst darum, diejenigen Akteure im Schattenbankenwesen zu identifizieren, die in Krisen das gesamte Finanzsystem zum Wanken bringen könnten. Dieser Aufgabe sollen sich der Finanzstabilitätsrat (FSB) und die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) widmen. Konkret geht es dabei um die Regulierung von Asset-Managern, Investmentfonds, Hedgefonds, Private-Equity-Häusern und Venture-Capital-Unternehmen.

Erst wenn ein Schwellenwert gefunden ist, ab dem Schattenbanken reguliert werden sollen, erfolgen konkrete Maßnahmen, um Schäden abzufedern, die bei einer Pleite entstehen könnten.

Unsere Wertung

Bis zur nächsten Bundestagswahl könnte es mit der Regulierung knapp werden - bis zur nächsten Finanzkrise übrigens auch. In Arbeit.


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